Markus Raetz / Michel Grillet

Zuoz - 29/07/2017 : 02/09/2017

Mostra doppia personale

Informazioni

Comunicato stampa

Wir freuen uns, Ihnen eine Einzelausstellung von Markus Raetz anzukündigen.
Die Galerie Monica De Cardenas ist mit dem Künstler eng verbunden. Vor zehn Jahren eröffneten wir die Galerie in Zuoz mit einer subtil auf die Räume abgestimmten Schau von Markus Raetz. Das Zusammenspiel zwischen den feinen und zugleich präzis platzierten Objekten, Mobiles, Zeichnungen und der Architektur der damals frisch renovierten Chesa Albertini ist für alle, welche die Ausstellung gesehen haben, unvergesslich.
In der aktuellen Schau werden wir rund dreissig Arbeiten zeigen, die den künstlerischen Werdegang von Markus Raetz von den siebziger Jahren bis heute visualisieren

Die Werke verkörpern Themen, die sich wie einen roten Faden durch seine Entwicklung ziehen. Im Vordergrund steht das anhaltende Interesse für das Phänomen der Wahrnehmung, das der Künstler anhand einer Reihe wiederkehrender Sujets wie sich wandelnde Gesichter, Figuren, Landschaften und Wörter erforscht. Auf spielerische und konzeptuelle Weise konfrontiert er uns mit einfachen klaren Motiven, die sich erst bei näherer Betrachtung als überraschend komplex erweisen. Ein Grossteil der Ausstellung ist der Druckgrafik gewidmet, deren technische und formale Vorgaben er immer wieder auf eine andere überraschende Weise ausgereizt hat. Parallel dazu hat er regelmässig plastische Werke geschaffen, die sich vor unseren Augen verändern und je nach Blickwinkel eine andere Bedeutung annehmen. So kann sich ein Wort plötzlich in sein Gegenteil verwandeln oder der Umriss einer Magritte’schen Pfeife in Rauchwolken auflösen. Das Mobile "Szene“ lässt zwei Tänzer vor einem Trapez schweben: Die Tänzer kreisen langsam, während das Trapez im Raum wechselnde Positionen einnimmt und dadurch zunächst zu einer Bühne, dann zu einer Wand, zu einem Spiegel oder zu einem Fenster wird. In den Werken von Markus Raetz bedingen sich unterschiedliche Gewissheiten und doch ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch seine verführerischen Anamorphosen laden uns zu immer neuen visuellen Entdeckungen ein.

Markus Raetz lebt und arbeitet in Bern. Seine Werke wurden in zahlreaichen Musuemsausstellungen gezeigt: im Kunsthaus Zürich (1975), Stedelijk Museum, Amsterdam (1979), New Museum, New York (1988), Serpentine Gallery, London (1993) und Museum der Moderne, Salzburg (2006), sowie in in den letzten Jahren in der Bibliothèque Nationale, Paris und im MAMCO, Genf (2011). Das Kunstmuseum Basel präsentierte 2012–2013 seine Zeichnungen, das Kunstmuseum Bern 2015 seine Grafiken und das MASI in Lugano widmete ihm 2016 eine grosse Werkschau mit über 150 Arbeiten. Der Künstler hat 1988 die Schweiz an der Biennale in Venedig vertreten sowie 1968, 1972 und 1982 an der Documenta in Kassel ausgestellt. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des MoMa in New York, der Tate Gallery London, im Centre Pompidou in Paris, im Musuem für Gegenwartskunst in Frankfurt, sowie in den grossen Schweizer Museen.
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We are pleased to announce a solo exhibition by Markus Raetz in Zuoz, ten years after his solo show that opened this gallery in 2007.
The exhibition spaces are located in an old Engadin farm house from the 15th Century that has been renovated by architect Hans-Jörg Ruch, conserving the original structure of the house and obtaining about 400 sq. meters of exhibition space.

For almost fifty years Markus Raetz (born in Bern 1941) has reflected about the language of art with poetic and essential images. The mechanisms of representation on one hand, and the plurality of vision on the other, are the themes around which his artistic experience has evolved. The exhibition includes about thirty works on paper and sculptures that trace back along his career from the 1970s to the present, touching on its recurring themes: first of all the constant interest in the phenomenon of perception, which he explores through a series of returning features such as words, landscapes and views, physiognomies and heads. Thanks to an approach that is simultaneously playful and conceptual, these apparently simple, forthright subjects reveal the complexity of the world around us. The show features engravings, a favorite area of research, in which over the years the artist has explored various chalcographic techniques in search of greater creative freedom. Raetz’s experiments are accompanied by parallel research in sculpture, leading to the creation of many works and installations over the years. These are often sculptures that transform before the eyes of the viewer, shifting in their appearance and meaning depending on the point of view. A word can thus be transformed into its exact opposite, or the profile of Magritte’s pipe can shift into spirals of smoke. In Raetz’s works opposites can coexist and nothing is as it appears at first glance. Investigating the concept of anamorphosis, the artist urges us to probe inside phenomena, to understand and discover them.

Markus Raetz lives and works in Bern. From 1966 to the present he has shown in many galleries and museums, including Kunsthaus Zurich (1975), Stedelijk Museum Amsterdam (1979), New Museum New York (1988), Serpentine Gallery London (1993) and Museum der Moderne Salzburg (2006); more recently, in 2011 at Bibliothèque Nationale Paris and MAMCO Geneva. In 2012-13 Kunstmuseum Basel held a major retrospective of his drawings, and in 2016 MASI Lugano presented a retrospective of over 150 works. Raetz has represented Switzerland at the Biennale in Venice in 1988 and took part in Documenta in Kassel in 1968, 1972 and 1982. His works are included in the collections of MoMa New York, Tate Gallery London, Centre Pompidou Paris, the Museum of Modern Art of Frankfurt, and the leading Swiss museums.

Project Room: Michel Grillet



Michel Grillet ist für seine subtilen Tuschezeichnungen und Aquarelle bekannt, die sich überlagernde Bergketten zeigen. Seit über dreissig Jahren malt der Schweizer Künstler seine Landschaften aber auch auf winzige Gouachetabletten. Diese Aussage und ihr etwas knapper Pragmatismus verdichten die Realität eines Werdegangs, der von seinen Begegnungen mit der Landschaft, der Zen-Philosophie und der Lehrtätigkeit geprägt ist. Die Sensibilität von Michel Grillet spiegelt sich im Wesen seiner Werke, die der Künstler auch als Medium benutzt, um den Kontakt mit jüngeren Künstlern herzustellen, die bei ihm an der Haute école d’art et de design in Genf studieren.

Die von Michel Grillet geschaffenen Miniaturen bewegen sich in einem Raum, in dem sich die Dimensionen vervielfacht und vereint haben. Das Verringern des Blickwinkels zur Welt stellt hier nicht ein Refugium dar. Im Gegenteil: die farbigen Gouachetabletten als Bildträger öffnen, obwohl sehr klein, ein Fenster auf die Unendlichkeit und erlauben zugleich Analogien zu den Bildschirmen unseres Alltags.

Grillet versucht, den Taumel der Unbeweglichkeit des Realen festzuhalten, indem er Sujets gestaltet, die sich wiederholen, aber nie identisch sind. Die Zeit offenbart sich als Serie von komplexen Fragmenten. Der Künstler möchte den Augenblick des Staunens verlängern, der sich beim Anblick der Berge und der Tiefe des Himmels aus der Höhe einstellt. Nebst der Meisterschaft in der Malerei, setzt er die eigene Identität sowie die Vergangenheit und die Emotionen der Erinnerung aufs Spiel. Grillet beweist einmal mehr, dass die Kunst den Erinnerungen neues Leben und neue Formen verleiht und die Konfrontation mit anderen Realitäten mitbeinhaltet: so wird aus dem Mont Chaussy der Mount Fuji; die fragilen Miniaturlandschaften mit ihrer nuancierten und präzisen Farbgebung werden wie grossformatige Plakate, die aus uns allen Reisende auf der Suche nach uns selbst und der still stehenden Zeit machen. Samuel Gross

Michel Grillet, 1956 in Genf geboren, lehrt an der HEAD (Haute école d’art et de design). Seine Arbeiten auf Gouachetabletten befinden sich unter anderem in den folgenden Sammlungen: Aargauer Kunsthaus, Aarau; Schweizerische Eidgenossenschaft, Bern; Bündner Kunstmuseum, Chur; Mamco, Genf; Fonds für zeitgenössische Kunst der Stadt und des Kantons Genf (FCAC und FMAC), Genf; Banque Pictet, Genf; MASI, Lugano; Kunstmuseum, Luzern; Musée Cantonal d’art du Valais, Sion. Jüngste Ausstellungen haben in den folgenden Museen stattgefunden: Musée d’art du Valais, Sion; Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kunstmuseum, Luzern; Mamco, Genf, Kunsthaus, Zug; Museo Cantonale d’Arte, Lugano.
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Michel Grillet is known for his delicate watercolors of mountains. But for over 30 years the Swiss artist has also painted landscapes on tiny gouache tablets. This sentence, with its rather crude pragmatism, sums up the reality of a path involving the encounter with landscape, Zen philosophy and teaching. Michel Grillet’s sensibility can be seen in the particular nature of his works, which are also used as a filter to create contact with young people, his students at the Haute Ecole d’Art et de Design of Geneva. The precious miniatures made by Michel Grillet are inscribed in a space where the dimensions are amplified and united. He does not seek refuge by reducing the windows he opens onto the world; the tablets of color that are his starting point, in fact, though very small, open to immensity and permit many comparisons with the screens of our everyday existence.
Grillet attempts to capture the vertigo of the fixity of the real, focusing on subjects that repeat without ever being identical. Time reveals its nature as a series of complex fragments. The artist tries to prolong the instant of almost teenage wonder that happens in relation to the Mountain and the depth of the heavens perceptible from high altitudes. Besides his mastery of painting, he calls into play his own identity, the past, as well as the emotions of Memory. Grillet demonstrates, once again, that art bestows new life and form to memories, coming to grips with other realities: thus Col de Chaussy becomes Mount Fuji; the tiny, fragile landscapes rediscover the dimensions of immense posters with shaded and precise hues, which have made us all travelers in pursuit of suspended time, and an image of ourselves.

Samuel Gross

Michel Grillet was born in 1956 in Geneva, where he lives and teaches at HEAD (Haute Ecole d’Art et de Design). His works on watercolor tablets are included, among others, in the following collections: Aargauer Kunsthaus, Aarau; Confédération Suisse, Bern; Bündner Kunstmuseum, Chur; MAMCO, Genève; Fonds cantonal et municipal (FCAC et FMAC), Genève; Banque Pictet, Genève; MASI, Lugano; Kunstmuseum, Luzern; Musée Cantonal d’art du Valais, Sion. Recent exhibitions include: Musée d’art du Valais, Sion; Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kunstmuseum, Luzern; MAMCO, Genève; Kunsthaus, Zug; Museo Cantonale d’Arte, Lugano; Kunsthalle, Lugano.

IMAGES : Markus Raetz, Kluge Kugel II, 1985/1994, aquatint (sugar lift) cm 55 x 37,5 / Michel Grillet, Mémoire de Paysage, 2016, guache sur pastille de gouache cm 2,9 x 3,4 x 0,9